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Freitag, 13.10.2017 | 08:43

Sport

Flatterndes Vaduzer Nervenkostüm

VADUZ - Die Situation beim FCV ist nach wie vor angespannt. Trainer Roland Vrabec gehen die Spieler aus – und er kritisiert nach dem Wil-Spiel (0:0) die Mentalität im Team. In Genf muss heute eine Reaktion her (20 Uhr), ansonsten könnte ein interner Knall drohen.

Roland Vrabec spricht vor dem Spiel gegen Servette Klarte...

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Dieses Heimspiel gegen Wil vor gut zwei Wochen: Es hätte zum Befreiungsschlag werden können, zum Signal an die Konkurrenz, dass mit dem FC Vaduz in der Spitzengruppe der Challenge League doch noch zu rechnen ist. Doch dann enttäuschte der FCV schwer. Nicht allein das Resultat stimmte nicht, sondern auch die Leistung. Und das war eigentlich das Erstaunlichste, denn die Vorzeichen wären vermeintlich vielversprechend gewesen.
Die führenden Teams Schaffhausen und Xamax hatten in der letzten Runde gepatzt und der arg gebeutelte FCV hatte mit dem zuvor eingefahren 1:0-Erfolg gegen Chiasso endlich wieder Selbstvertrauen getankt. Das Heimspiel gegen den ebenfalls schlecht gestarteten FC Wil wäre also gerade recht gekommen – es stellte die Möglichkeit dar, ein weiteres Zeichen zu setzen. Die Fans hatten nach dem Sieg über Chiasso schon auf die Wende zum Positiven gehofft.

Auch die sportliche Führung des FC Vaduz erkannte das Potenzial dieses Wil-Spiels, es schuf den Spielern im Falle eines Sieges «zusätzliche Anreizpunkte», wie Trainer Roland Vrabec gestern preisgab. Wie genau diese aussahen, wollte er nicht sagen. Doch das tat danach auch nichts mehr zur Sache, denn die Spieler hatten sich die in Aussicht gestellten Zückerchen mit der enttäuschenden Nullnummer gegen Wil nicht verdient. Im Gegenteil: Der schlechte Auftritt liess die Stimmung im Verein wieder merklich abkühlen. Ums Nervenkostüm beim FCV war es auch schon besser bestimmt. Vrabec erklärte an der gestrigen Pressekonferenz, es habe in den darauffolgenden Tagen «wirklich ernsthafte Gespräche mit einzelnen Spielern» gegeben. Für ihn war der desolate Auftritt seiner Akteure unverständlich, die nötige Mentalität innerhalb der Mannschaft sei «einfach nicht konstant gegeben».

Vrabec droht mit Konsequenzen

Der Vaduzer Cheftrainer verlangt, dass sein Team «heiss, hungrig und willig» auftritt, doch das sei zuletzt nicht der Fall gewesen: «Irgendwann kann man das nicht mehr akzeptieren. Dann muss man handeln – und das werde ich auch tun.» Das heutige Spiel in Genf gegen den Drittplatzierten Servette (20 Uhr, Liveticker auf «Volksblatt.li») stellt hierbei also eine Art Spiel der Wahrheit dar. Vrabec lässt durchblicken, dass es im Negativfall zum Knall kommen könnte: «Wenn in Genf, gegen solch einen namhaften Gegner, die Einstellung und die Leistung nicht stimmt, dann werde ich reagieren.» Und wie? Möglich ist, dass dann auch gestandene Super- und Challenge-League-Spieler auf der Tribüne landen. Vrabec erklärt, er würde es dann auch in Betracht ziehen, einzelne Spieler aus der zweiten Mannschaft auflaufen zu lassen.
Und welche andere Konsequenzen könnten weitere enttäuschende Auftritte des FCV haben? Die Option des Trainerwechsels kommt im Fussball in erfolglosen Phasen schnell einmal auf den Tisch. Aber auch in Vaduz? Roland Vrabec war nach dem schlechten Saisonstart natürlich ebenfalls in die Kritik geraten. Doch Sportchef Bernt Haas stärkte dem Frankfurter erst kürzlich den Rücken (das «Volksblatt» berichtete). Zudem ist davon auszugehen, dass die Vaduzer eine mögliche Trainerentlassung aus finanziellen Gründen so weit wie möglich hinausschieben würden.
Hinzu kommt, dass Vrabec seit seiner Ankunft in Vaduz im März das Verletzungspech verfolgt (siehe Text unten), wofür er freilich nichts kann. Ihm gehen langsam regelrecht die Spieler aus. Auch hier ist anzunehmen, dass Vrabec gerne noch den einen oder anderen U21-Spieler als Verstärkung des Kaders hätte. Doch was diese Thematik betrifft, ist die Antwort von Vrabec vielsagend kurz: «Ich überlasse es dem Verein, ob er es für sinnvoll hält, noch einen U21-Spieler zu verpflichten.» Er arbeite «mit den Spielern, die hier sind» und er würde die vielen Verletzungen «nicht als Alibi nehmen»: «Auch wenn es schwer ist, so zu arbeiten und mit der aktuellen Situation umzugehen, ich will immer gewinnen – auch gegen Servette.»

Servette macht ernst

Die Aufgabe, die auf den ersatzgeschwächten FCV heute wartet, ist eine äusserst schwierige. Die Genfer machen in dieser Saison in Sachen Aufstiegsambitionen bislang ernst, liegen nur einen Punkt hinter den Spitzenreitern Schaffhausen und Xamax. Vrabec warnt vor dem «schnellen Umschaltspiel» von Servette. Um so wichtiger sei, dass heute endlich wieder die Einstellung stimme.

Mehr dazu lesen Sie im „Volksblatt“ vom Freitag (13.10.2017).

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