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Mittwoch, 11.10.2017 | 09:15

Politik

Säumige Prämienzahler werden für Krankenkassen zum Problem

VADUZ - Die liechtensteinischen Krankenversicherer weisen rund CHF 4 Mio. Prämienausstände aus, weil Krankenversicherte ihre Prämien nicht bezahlen. Doch die Krankenkassen können jetzt rascher reagieren.

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Die Ausstände bei den Krankenversicherern steigen stetig an – die Zeche zahlen letztendlich die anderen Prämienzahler. Denn die fehlenden Prämien werden laut dem Geschäftsführer des Liechtensteinischen Krankenkassenverbandes (LKV), Thomas Hasler, von denjenigen Versicherten aufgebracht, die stets ihre Prämien berappen. Laut Hasler gibt es zwei Gruppen von Personen, die in Liechtenstein ihre Prämien nicht zahlen: «Es handelt sich zum einen um Personen, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation die Prämien nicht zahlen können, und zum anderen um Personen, die ihre Prämien nicht zahlen wollen.» Wobei die Gruppe derer, die nicht zahlen wollten, deutlich grösser sei: «Bei dieser Gruppe steht oft der Konsum im Vordergrund. Handy, Ferien, Auto und ähnliches sind wichtiger als Bezahlung von Sozialversicherungsausgaben wie die Krankenversicherungsprämie», betont der LKV-Geschäftsführer.

Leistungssperre und Betreibung

Seit Anfang Jahr können die Krankenkassen aufgrund der geänderten Krankenversicherungs-Verordnung rascher auf die Ausstände reagieren. Während die Kassen früher ein komplettes Betreibungsverfahren durchführen mussten, um einen säumigen Prämienzahler zu belangen, reichen jetzt bereits zwei Mahnungen aus, um dem Versicherten als nächsten Schritt eine Verfügung zuzustellen. Ab dann werde rigoros eine Leistungssperre verhängt und parallel das Betreibungsverfahren eingeleitet, erklärt Thomas Hasler. Eine Leistungssperre bedeutet, dass nur noch im Notfall die Arztkosten von der Krankenkasse übernommen werden. Dabei wird laut Hasler der Begriff Notfallbehandlung sehr strikt ausgelegt. Eine Behandlung ist zwar auch bei einer Leistungssperre weiterhin ohne Weiteres möglich, muss aber selbst bezahlt werden – und dies so lange, bis die ausstehenden Kostenbeteiligungen und Prämien bei der Krankenversicherung bezahlt seien.

Bei wirtschaftlicher Not – Sozialhilfe

Wer die Prämie aus wirtschaftlichen Gründen nicht zahlen könne, sei angehalten, sich bei der wirtschaftlichen Sozialhilfe zu melden. Die Sozialhilfe achtet darauf, dass der hilfesuchenden Person das Existenzminimum zur Verfügung steht, die Krankenversicherungsprämie ist dort eingerechnet. «Diese Personengruppe ist oft unverschuldet in Not geraten. Sie wird vom starken sozialen Netz in Liechtenstein unterstützt», betont Hasler. In Liechtenstein seien gemäss Rechenschaftsbericht der Regierung im Jahr 2016 2,6 Prozent der Bevölkerung auf Sozialhilfe angewiesen gewesen, in der Schweiz habe dieser Wert im vergangenen Jahr bei über 3 Prozent gelegen, so Hasler.

Mehr dazu lesen Sie im „Volksblatt“ vom Mittwoch (11.10.2017) und in der Onlineausgabe.

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